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Sehenswürdigkeiten

Historische Ortsansicht von Schloss Stolzenfels. Farblithographie von 1873

Burgen und Ruinen am Mittelrhein – ein Kurztripp in die Geschichte

DIE BURGEN AM MITTELRHEIN

Es ist immer wieder fasziniernd, durchs Rheintal zu fahren. Nahezu hinter jeder Flussbiegung taucht eine Burg auf. Kein Fluss auf der Welt hat auf 65 km Länge mehr von ihnen zu bieten als der Mittelrhein. Rund 40 Burgen, Schlösser und Ruinen thronen an den Hängen zwischen Bingen und Koblenz. Doch warum stehen sie überhaupt dort? Wer hat sie gebaut? Wer zerstört? Und wie hat das Burgvolk gelebt? Unser Blogbeitrag greift tief in Historienkiste und verrät euch eine Menge Wissenswertes und Kurioses rund um die Burgen am Mittelrhein. Viel Spaß beim Lesen Eure Silke

Inhaltsverzeichnis:

  1. Die Burgen ziehen um: vom Tal auf die Höhen
  2. Lukrative Zollstellen: 66 Prozent auf den Warenwert
  3. Immer wieder zerstört – und wieder aufgebaut
  4. Flucht in den Turm
  5. Wohnen auf der sicheren (Hang-)Seite
  6. Mittelalter und Burgenleben live erleben
  7. Je näher am Kamin, umso wichtiger
  8. Erlebnisbericht aus dem Jahr 1518
  9. Tischmanieren oder: Die fettige Hand am Busenlatz
  10. Romantik: Auferstanden aus Ruinen
  11. Drei Burgen-Highlights am Mittelrhein

Vom Tal auf die Höhen: Die Burgen ziehen um

Stehen die ersten Burgen noch im Tal, zieht es die Burgherren im 11. und 12. Jahrhundert auf die unbesiedelten Höhen. Dort oben hat man nicht nur anrückende Feinde gut im Visier, sondern auch je nach Lage von drei Seiten einen natürlichen Schutz. Zudem zeigt man, wer der Herr im Land ist, den Untertanen ebenso wie aufdringlichen Nachbarn. Ein wahrer Bauboom setzt in der Stauferzeit ab 1138 ein. Möglich machen es ausgerechnet die Könige, die am wenigsten von der Bauwut ihrer Untertanen profitieren. Große Teile ihres Besitzes haben sie im Laufe der Jahrhunderte verschenkt, verliehen oder verpfändet, um aufmüpfige Adlige zur Treue zu verpflichten. Die Folge: Die Macht der Fürsten wächst, und eifrig beginnen sie, ihre Territorien mit Burgen abzusichern und Zölle einzutreiben.

burg maus wellmich oberes mittelrheintal 1

Die Höhe des Zolls: 66 % des Warenwertes

Heute reist es sich leichter. Wer Mitte des 13. Jhs. als Kaufmann am Rhein entlang unterwegs ist, braucht Geld, gute Nerven und nicht selten Mut. Allein am Mittelrhein zwischen Mainz und Bonn bitten Mitte des 13. Jhs. sage und schreibe 32 Zollstationen zur Kasse. Hat der Händler Pech, muss er nicht nur zahlen, sondern wird zudem ausgeplündert, misshandelt und schlimmstenfalls sogar eingesperrt. Für seine Freilassung ist natürlich ein saftiges Lösegeld zu zahlen. So ist es längst alles andere als wirtschaftlich, über den Rhein seine Waren zu transportieren. Denn jeder Adlige, darunter auch manch Geistlicher, der sich mit einer Burg das lukrative Zollgeschäft sichern kann, langt zu.

Sieben Zollstellen gibt es am Mittelrhein auf einer Strecke von 60 km. Wieviel Zoll erhoben wird, ist oftmals nicht von Recht und Gesetz abhängig, sondern vom Lebensstandard der Burgbewohner oder der Stärke der Burgmannschaft. Je größer die ist, umso höher die Zölle. Hat der Händler alle Zollstationen am Mittelrhein hinter sich gebracht, beträgt die Höhe des bezahlten Zolls stattliche 66 % des Warenwertes. Doch es wartet noch mehr Ungemach auf ihn. Handelt er mit Wein, muss er ihn in Bacharach abladen und einige Tage auf dem örtlichen Markt anbieten bzw. stapeln, denn die Stadt besitzt das sogenannte Stapelrecht. Danach wird der Wein als Bacharacher Wein verschifft, ganz gleich aus welchem Weinanbaugebiet er stammt.

Zerstört, wieder aufgebaut ...

Zwischen 1256 und 1258 reicht es den Städten, die mitt­ler­weile zu bedeutenden Handelszentren angewachsen sind. Sie gründen den Rheinischen Städtebund und greifen zu drastischen Maßnahmen. Mit angeworbenen Söldnern ziehen sie durchs Rheintal und tatsächlich gelingt es ihnen, einige Burgen zu zerstören, darunter Reichenstein. Mit wenig dauerhaftem Erfolg allerdings, denn der als Raubritter bekannte Burgherr lässt sie umso wehrhafter wieder aufbauen. König Rudolf von Habsburg startet 1274 einen weiteren Versuch. Nach seinem Regierungsantritt zerstört er Reichenstein erneut und die ebenfalls als Raubritternest bekannte Burg Sooneck. Einzig die Rheinfels bei St. Goar hält seiner Belagerung stand.

Flucht in den Turm

Ist der Belagerungszustand tatsächlich eingetreten, ist das wichtigste Gebäude der Bergfried. Denn schlagen alle Ver­tei­­digungsversuche fehl, flüchtet sich das Burgvolk in den hoffentlich uneinnehmbaren Turm. Sind alle drin, wird die außenliegende Holztreppe zerstört, so dass der Eingang für die Eindringlinge in unerreichbarer Höhe liegt. Kluger­weise hat man in Friedenszeiten das Wichtigste im Bergfried untergebracht: Vorräte, Munition, Schätze und im Keller die Gefangenen, die sehnsüchtig auf die Zahlung des geforderten Lösegeldes warten. Kontakt zu den Burgbewohnern haben sie einzig über das „Angstloch“, einer Öffnung in der Decke des Verlieses.

Auf der sicheren Hangseite

Herrscht indes Frieden, wohnt man im Palas, dem repräsentativen Wohnbereich der Burg. Der Palas liegt dort, wo es am sichersten ist: An der Hangseite. Er besitzt einen großen Saal und ist den Männern vorbehalten. Die Frauen halten sich in der Kemenate auf, die aus kleineren, heizbaren Wohnräumen besteht. Zum Wohnbereich der Burg gehört außerdem eine Kapelle. Das Gesinde wohnt in Fachwerkhäusern, die ebenso wie die Ställe und die Werkstätten an die Ringmauer des Burghofes angelehnt sind.

Blick von unten auf den Bergfried von Burg Sterrenberg bei Kamp-Bornhofen

Auch in Kriegszeiten kaum einnehmbar: Der Bergfried. Hier das Beispiel von Burg Sterrenberg oberhalb von Kamp-Born­hofen.

Turm der Burg Rheinstein bei Trechtingshausen mit dem Strafkorb

Wer auf Burg Rheinstein in Gefangenschaft geriet, hatte wenigstens einen guten Ausblick: „Hängen in der Strafkrone“ hieß der Aufenthalt in dem aus Eisen gefertigten Korb.

Ludwig von Ottenstein und seine Frau Elisabeth von Schwarzenberg auf ihrem um 1520 geschaffenen Grabdenkmal, zu sehen in der Liebfrauenkirche Oberwesel.

Zwei Burgbewohner des ausgehenden Mittelalters auf ihrem um 1520 geschaffenen Grabdenkmal, zu sehen in der Liebfrauenkirche Oberwesel.

Burgenleben und Mittelalter live

Wer das Leben auf einer Burg und Mittelalterliches hautnah erleben möchte oder sich weiter informieren will - hier einige Tipps:

Alle 2 Jahre schreibt man in Oberwesel das Jahr 1260. Das nächste Mittelalterfest findet 2026 statt.

Mehr Infos zum Spectaculum

In den Wintermonaten geht es außerhalb der Öffnungszeiten im Schein der Taschenlampe durch die dunkle, unbeleuchtete Burg.

Zu den Terminen der Lichterführung

Alle Burgen auf einen Blick zwischen Bonn und Wiesbaden bietet der Spiralblock „Rhein Rauf Runter“ von Rheinkult

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Je näher am Kamin, desto höher in der Hierarchie

So eindrucksvoll die Burgen nach außen wirken, so bescheiden ist der Wohnkomfort im Inneren. Besonders im Winter. Um die Kälte abzuhalten, werden die Fenster mit Läden verschlossen oder mit geölter Leinwand bespannt, denn Fensterglas setzt sich erst Ende des 14. Jhs. durch. Entsprechend dunkel ist es in den Räumen. Öllämpchen oder Fackeln, die Wände und Decken schwärzen, verbreiten ein funzeliges Licht. Geheizt wird mit Kaminen, die jedoch nur in direkter Nähe angenehme Wärme spenden. Den begehrtesten Kaminplatz hat natürlich der Burgherr inne, wer am unteren Ende der Hierarchie steht, sitzt am weitesten entfernt. So lässt sich der Rang der Burgbewohner an der Dicke der Kleidung ablesen.

Auch die Nächte haben ihre Eigenheiten. Schlafzimmer entstehen erst im 13. Jh. Dafür sind die Betten kleine Räume für sich. Von oben schützt ein Himmel den Schlafenden, damit das Ungeziefer des Nachts nicht auf ihn rieselt. Rundum verhüllen schwere Vorhänge das Bett, die die Kälte abhalten sollen, zumal Nachtgewänder noch unbekannt sind. Ebenso wie Schränke. Die Kleidung wird in „mobilen“ Truhen verstaut, die bei den Rundreisen des Burgherrn auf Karren hinter ihm her rumpeln.

Erlebnisbericht aus dem Jahr 1518:

Reichsritter Ulrich von Hutten über das nicht sehr komfortable Leben in einer Burg:

„Man lebt auf dem Feld, im Wald und in den bekannten Burgen auf dem Berg. Die uns ernähren, sind bettelarme Bauern, denen wir unsere Äcker, Weinberge, Wiesen und Wälder verpachten. Der einkommende Ertrag ist, gemessen an der aufgewandten Mühe, geringfügig; […]

Die Burg selbst, ob sie auf dem Berg oder in der Ebene liegt, ist nicht als angenehmer Aufenthalt, sondern als Festung gebaut. Sie ist von Mauern und Gräben umgeben, innen ist sie eng und durch Stallungen für Vieh und Pferde zusammengedrängt. Daneben liegen dunkle Kammern, vollgepfropft mit Geschützen, Pech, Schwefel und sonstigem Zubehör für Waffen und Kriegsgerät. Überall stinkt es nach Schießpulver; und dann die Hunde und ihr Dreck, auch das – ich muss es schon sagen – ein lieblicher Duft!

Reiter kommen und gehen, darunter Räuber, Diebe und Wegelagerer. Denn fast für alle stehen unsere Häuser offen, weil wir nicht wissen, was das für Leute sind, oder uns nicht groß danach erkundigen. Man hört das Blöken der Schafe, das Brüllen der Rinder, das Bellen der Hunde, das Rufen der auf dem Feld Arbeitenden, das Knarren und Rattern der Fuhrwerke und Karren; ja sogar das Heulen der Wölfe hört man in unserem Haus, weil es nahe am Wald liegt. Der ganze Tag bringt vom Morgen an Sorge und Plage, ständige Unruhe und dauernden Betrieb.“

Tischmarnieren oder die fettige Hand im Busenlatz

Gegessen wird dreimal am Tag. Am Morgen meist Brot und Fleisch, mittags genügt ein kleiner Imbiss, während das Abendessen fast einem Gelage gleicht – und für heutige Gaumen sehr gewöhnungsbedürftig gewesen wäre. Die mittelalterliche Küche kennt zahlreiche Gewürze, seit den Kreuzzügen auch orien­­talische, mit denen nicht nur das Essen, sondern auch der Wein gewürzt wird, den man zu jeder Mahlzeit reicht. Das Abendessen umfasst zwei bis drei Gänge, wobei jeder Gang aus mehr als zehn Gerichten bestehen kann, von süß über scharf bis sauer.

Gegessen wird mit den Fingern, der Erfinder der Gabel ist noch nicht geboren. Mann und Frau essen zu zweit aus einer Schüssel und trinken gemeinsam aus einem Becher. Das Tischtuch dient dazu, sich nach dem Essen Mund und Hände abzuwischen, hineinschnäuzen soll man allerdings nicht. Unfein ist es außerdem, die bloße Hand ins Salzfaß zu stecken oder die fettige in den Busenlatz der Nachbarin. Auch auf den Teller spuckt man nicht. Seine Flöhe knackt man unauffällig und das Kratzen am Gemächt sollte man bei Tisch ganz unterlassen, wie der Minnesänger Tannhäuser ungehobelte Zeitgenossen belehrt.

ruine stolzenfels mittelrhein
schloss stolzenfels mittelrheintal

Auferstanden aus Ruinen

Als man endlich eine gewisse Tischkultur gelernt hat, ist die Burgenzeit vorbei. Neue Waffen und neue Kriegstaktiken machen die Burgen strategisch über­­flüssig. Manche werden verlassen und verfallen, andere von den Truppen Ludwigs XIV. zerstört, die 1672 und 1689 durchs Rheintal ziehen. Als repräsentative Wohnsitze sind jetzt ohnehin Schlösser gefragt, die weit mehr Wohnkom­fort bieten als die auf Verteidigungszwecke ausgerichteten Burgen. So überdauern die Höhenburgen mit Ausnahme der Marksburg die Jahrhunderte nur als Ruinen – bis sie Anfang des 19. Jhs. von den Romantikern entdeckt werden. Zahlreiche Ruinen finden neue Burgherren, darunter die Burgen Katz und Maus, die einstigen Raubritternester Reichenstein und Rheinstein sowie Schloss Stolzenfels bei Koblenz (s. Bild).

Drei Burgen-Highlights am Mittelrhein:

Blick auf Schloss Stolzenfels bei Koblenz

Schloss Stolzenfels

Die Sommerresidenz von Friedrich Wilhelm IV. von Preußen mit original erhaltener Ausstattung und einem Schlosspark des berühmten Gartenkünstlers Peter Joseph Lenné.
marksburg braubach oberes mittelrheintal

Marksburg in Braubach

Aus dem 12. Jahrhundert stammende Höhenburg, die nie zerstört wurde. Mit sehenswerten Innenräumen wie Burgküche und Rittersaal ...
pfalzgrafenstein kaub

Pfalzgrafenstein in Kaub

Auf einer Felseninsel bei Kaub errichtete Zollburg, die wie ein Schiff aus Stein mitten im Rhein thront. Zu erreichen ist sie nur mit einer Personenfähre.
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