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Geschichte(n)

Blick über den Rhein bei Kaub auf die Pfalzgrafenstein und Burg Gutenfels

Der Rhein, heißbegehrt – Geschichte des Mittelrheintals

DAS MITTELRHEINTAL: EIN KURZTRIPP IN DIE HISTORIE

Bevor ihr die Wanderschuhe schnürt, lohnt ein Ausflug in die Geschichte. Denn von der hat das Rheintal eine Menge zu bieten. Und spannende dazu. Kaum ein Ort, kaum ein Blick ins Tal, der nicht von der Geschichte des Tals erzählt. Von der Grenze des römischen Imperiums bis zum Sehnsuchtsort der Romantiker, vom Symbol nationaler Einheit bis zum (Rheinsteig-)Wanderparadies hat der Rhein etliche Bedeutungswandel hinter sich. Was das Mittelrheintal im Lauf der Jahrhunderte so alles erlebt hat, das erfahrt ihr in diesem Blogbeitrag. Viel Spaß beim Lesen Eure Silke

Inhaltsverzeichnis:

  1. Die Römer kommen: von Romantik keine Spur
  2. Von der Grenze zur Achse: ein neues Reich entsteht
  3. Die Macht am Rhein – lukrative Zollstrecke
  4. Der Sonnenkönig kommt … und hinterlässt Ruinen
  5. Ungeahnte Freiheiten: Napoleons Intermezzo 
  6. Die Wacht am Rhein: Hilfe, die Preußen kommen
  7. Wieder Krieg: der Freistaat Flaschenhals entsteht
  8. Drei geschichtsträchtigste Orte am Mittelrhein
  9. Ein Tal im Aufbruch: UNESCO Weltkulturerbe und Rheinsteig

Die Römer kommen ... und gehen

Ein wilder Fluss ohne Straßen, statt Reben dicht bewaldete Hänge und von Burgen keine Spur – als vor rund 12.000 Jahren Steinzeitmenschen die ersten Siedlungsspuren im Tal hinterlassen, haben sie es vermutlich nicht leicht mit dem später so romantischen Fluss. Auch die Römer hätten mit der Romantik nicht viel anzufangen gewusst. Als sie 50 v.Chr. die Germanen vom Rhein vertreiben, haben sie keinen romantischen Fluss, sondern einen wichtigen Transportweg und reiche Bodenschätze gewonnen. Über 500 Jahre profitieren sie von ihrer Eroberung. Vertrieben werden sie von den Alemannen und Franken, die sich nach und nach auf linksrheinischem, römischem Gebiet niederlassen.

boppard kastell roemer mittelrhein

Das Römerkastell in Boppard war im 4. Jh. n. Chr. ein wichtiger Teil der römischen Grenze entlang des Rheins, um sich gegen die regelmäßigen Übergriffe aus dem rechtsrheinischen Germanien zu verteidigen.

Wer mehr darüber erfahren will, wird hier fündig: 
– Römeraustellung in Boppard
– Wikipedia-Artikel zum Kastell

Von der Grenze zur Achse - ein neues Reich entsteht

Ende des 5. Jhs. ist der Untergang des römischen Reiches am Rhein besiegelt. König Chlodwig fasst die eroberten Gebiete zum Fränkischen Reich zusammen. Rund 300 Jahre später, im Jahr 843, wird es unter den Enkeln Karls des Großen in drei Gebiete aufgeteilt: In ein westliches – das spätere Frankreich – in ein östliches und mittleres Reich, aus denen sich später Deutschland entwickelt. Bis südlich von St. Goar ist der Rhein Grenze zwischen dem östlichen und mittleren Reich. Doch dabei bleibt es nicht. Es wird erneut vereint und geteilt, bis 925 Heinrich I. ein Reich regiert, in dem der Rhein nicht mehr Grenze, sondern begehrte Achse ist.

Der Königsstuhl in Rhens

Welche Macht die Kurfürsten am Rhein besaßen, belegt der bei Rhens im 14. Jahrhundert errichtete Königsstuhl. Zwei deutsche Könige wurden hier gewählt. Ursprünglich stand er direkt am Rhein, 1842 wurde er rekonstruiert und 1924 an den heutigen Ort oberhalb von Rhens versetzt.

Symbole der Macht

Blick auf die Herrschaftszeichen zweier mittelalterlicher Machthaber: Die weltlichen und kirchlichen Fürsten. Hier im Vordergrund die Pfalz, im Hintergrund Burg Stahleck und die Liebfrauenkirche in Oberwesel.

Denkmal der Einheit

1897 wurde in Koblenz das Kaiser-Wilhelm-Denkmal errichtet. Im Gegensatz zum Niederwalddenkmal in Rüdesheim verherrlichte es nicht den Sieg über Frankreich, sondern die 1871 errungene Einheit Deutschlands.

Museen am Mittelrhein: ein Blick in die Geschichte

Wer tiefer in die Geschichte des Mittelrheintals einsteigen will - hier einige Tipps zu interessanten Museen:

Alle 2 Jahre schreibt man in Oberwesel das Jahr 1260. Das nächste Mittelalterfest findet 2026 statt.

Mehr Infos zum Spectaculum

Alle Burgen auf einen Blick zwischen Bonn und Wiesbaden bietet der Spiralblock „Rhein Rauf Runter“ von Rheinkult

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In den Wintermonaten geht es außerhalb der Öffnungszeiten im Schein der Taschenlampe durch die dunkle, unbeleuchtete Burg.

Zu den Terminen der Lichterführung

Die Macht am Rhein - lukrative Zollstrecke

Zwar hat im neuen Reich offiziell der König das Sagen, doch die Realität sieht anders aus. Um die aufmüpfigen Territorialherrscher gefügig zu machen, verteilen die Könige ihren Besitz als Lehen. Geliehen jedoch ist so gut wie geschenkt, und der königliche Besitz am oberen Mittelrhein
schrumpft mehr und mehr. 1241 sind nur noch Boppard und Oberwesel Reichsgut. In Privathand geraten auch die königlichen Zölle, was zu einer deutlichen Preissteigerung führt. Die Händler murren, doch angesichts der seit dem 12. Jh. wie Pilze aus dem Boden sprießenden Burgen bleibt ihnen keine andere Wahl als zu zahlen. Auch die Kirche geht bei der großzügigen Verteilung der Reichsgüter nicht leer aus. Neben den Grafen von Katzenelnbogen und den Pfalzgrafen gehören bald die Erzbischöfe von Mainz, Trier und Köln zu den Großgrundbesitzern am Mittelrhein.

kaub pfalsgrafenstein zollstelle mittelrhein

Zollstelle Pfalzgrafenstein mitten im Rhein: Hier gab es kein Entkommen. Wer hier vorbei wolle, musste zahlen.

st goar burg rheinfels ruine mittelrhein

Ruine Rheinfels: Nur noch Ruinen blieben übrig, nachdem die französischen Truppen 1794 abgezogen waren.

kaub bluecherdenkmal mittelrhein

Blücherdenkmal Kaub: Bis heute weist Blücher seinen Soldaten den Weg über den Rhein. Hochinteressant ist das Blüchermuseum in Kaub.

Der Sonnenkönig kommt – und hinterlässt Ruinen

Der größte Besitz aber hilft nichts, als zuerst die Pest, dann die Reformation und schließlich dreißig Jahre Krieg dem Rheintal zusetzen. Die Folgen sind verheerend: Die Wirtschaft liegt am Boden, die Menschen hungern und leiden unter den ständigen Truppendurchzügen, unter Plünderungen, Einquartierungen und Zerstörungen. Als 1648 endlich Frieden ist, dauert er nicht lange. In Frankreich sitzt Sonnenkönig Ludwig XIV. und wirft begehrliche Blicke Richtung Rhein, den er gern als Frankreichs Ostgrenze sehen würde. 1689 setzt er seine Pläne in die Tat um. Die Divise lautet: „Zerstören Sie, demolieren Sie und setzen Sie sich dadurch in den Stand, die unbedingten Herren des Rheins zu sein…“. Fast alle Burgen am Rhein liegen bald in Schutt und Asche – außer der Marksburg und der Rheinfels, die 1692 der stattlichen Anzahl von 28.000 französischen Soldaten trotzt. Ihr Schicksal ist dennoch besiegelt. Als das revolutionäre Frankreich 1794 erneut den Rhein zur Staatsgrenze machen will, wird die Rheinfels kampflos an die französischen Truppen übergeben, die kaum einen Stein auf dem anderen lassen. 1795 gelingt dann endlich, was dem Sonnenkönig noch verwehrt blieb: Preußen und Österreich treten das linke Rheinufer an Frankreich ab, der Rhein wird zur Grenze Frankreichs.

Ungeahnte Freiheiten - Napoleons Intermezzo

Für die Bevölkerung im Tal bringt die neue Regierung Ungeahntes, nämlich den Geschmack von Freiheit: Die Adelsherrschaft wird abgeschafft, die Feudalabgaben ebenfalls, dafür herrschen Religions- und Gewerbefreiheit und eine neue, liberalere Rechtsprechung. Die Weltpolitik aber macht dem Ganzen schon bald wieder ein Ende. Der Russlandfeldzug Napoleons endet in einer Niederlage, davon ermutigt lehnt Europa sich gegen die französische Herrschaft auf. In den Befreiungskriegen 1813 bis 1815, in dessen Verlauf Blücher bei Kaub den Rhein überquert, fällt das linke Rheinufer an das Königreich Preußen, schnell werden fast alle liberalen Errungenschaften der Franzosen zurückgenommen.1866 wird auch das rechtsrheinische, nassauische Ufer preußisch.

ruine stolzenfels mittelrhein
schloss stolzenfels mittelrheintal

Die Macht am Rhein

Auf dem Wiener Kongress 1815 erhält der neue Machthaber am Rhein eine bedeutungsvolle Aufgabe: Preußen ist künftig für die „Wacht am Rhein“ zuständig. Rund 100 Jahre, bis zum Beginn des 1. Weltkrieges, wird es dieser Aufgabe gerecht. Eine Zeit, in der der Rhein zu nationaler Größe anschwillt und zum Symbol für die wiedergewonne Einheit und Größe Deutschlands wird. Selbst Preußens Prinzen werden vom „Rheinvirus“ infiziert und betätigen sich als Burgenbauer (und bauen unter anderem die Ruine Stolzenfels zum stolzen Schloss um, s. Bilder oben), während Literaten, Maler und Musiker den romantischen Seiten des Rheintals huldigen. Im Schlepptau haben sie die ersten Touristen. Sie kommen mit den seit 1827 den Rhein hoch schnaufenden Dampfschiffen und über die 1859 gebaute Eisenbahnstrecke. Auch die Winzer erleben zunächst gute Zeiten: In Preußen liebt man Rheinwein und die Geschäfte boomen. Bis die Reblaus aus Amerika eingeschleppt wird und billig mit der Bahn importierte Weine dem Rheinwein den Rang ablaufen. Der Weinanbau wird unrentabel und viele Rebflächen aufgegeben. Ein Rückgang, der im Weinanbaugebiet Mittelrhein bis heute anhält.

Geschichte hautnah:

boppard mittelrhein

Die Römer

... hinterließen deutliche Spuren in Boppard mit dem Kastell Bodobrica.
bacharach mittelrhein altes haus

Das Mittelalter

... wird in Bacharach lebendig, z.B. beim Alten Haus von 1368
koblenz festung ehrenbreitstein seilbahn mittelrhein

Die Preußen

... setzten mit der Festung Ehrenbreitstein ein Zeichen.

Wieder Krieg

Ein Kuriosum bringt der 1. Weltkrieg mit sich. Mit dem Zirkel, angesetzt in Koblenz und Mainz, verteilen die Alliierten nach Kriegsende die Gebiete östlich des Rheins. Die Kreise aber überlappen sich nicht, sondern schaffen bei Kaub und Lorch ein Niemandsland: den Freistaat Flaschenhals. Er existiert bis 1924 und hat sogar sein eigenes Geld hervorgebracht. Als Hitler 1933 an die Macht kommt, ist die Begeisterung für den neuen Reichskanzler groß. Zu spüren bekommen es wieder einmal, wie schon so oft in der Geschichte des Rheintals, die Juden, die verfolgt und vertrieben werden. Von den Zerstörungen des Krieges bleibt das Rheintal bis 1944 verschont, dann trifft es neben Bingen mit seinem Verschiebebahnhof vor allem Koblenz, das zu 85% zerstört wird. Nach Kriegsende wird das Obere Mittelrheintal geteilt: Der Rheingau bis Lorch gehört heute zu Hessen, der Rest – von Koblenz bis Bingen bzw. bis Kaub – zu Rheinland-Pfalz. 

freistaat flaschenhals karte bildarchiv wilfried radloff
kaub pfalzgrafenstein freistaat flaschenhals mittelrhein

Ein Tal im Aufbruch

2002 ist es endlich geschafft: Das Mittelrheintal von Koblenz bis Bingen bzw. Rüdesheim wird in die Liste der Unesco-Welterbe aufgenommen, dazu kam 2005 bzw. 2004 rechtsrheinisch der Wanderweg Rheinsteig und linksrheinisch der Rheinburgenweg. Seitdem herrscht Aufbruchstimmung im Tal. Positives hat auch der Tourismus zu melden. Die Zahl der Touristen, die nach einem Boom zwischen den 60er und 80er Jahren in den 90er Jahren rapide zurückgegangen war, steigt seit einigen Jahren wieder an. Fast 30 Millionen Tagesausflügler besuchten 2023 das Mittelrheintal zwischen Bingen/Rüdesheim und Remagen/Unkel. Zugenommen hat auch die Anzahl der Urlauber, die für mehrere Tage das Rheintal
genießen. Nach wie vor problematisch ist jedoch die Bevölkerungsentwicklung im Tal jenseits der Zentren wie Bingen und Koblenz. Prognosen gehen für 2040 von einem Rückgang der Bevölkerung von bis 5 % aus. Für Familien fehlt die Möglichkeit zu bauen und dank zweier Bahnlinien links und rechts des Rheins, zwei Bundesstraßen und regem Schiffsverkehr ist es vielen zu laut im Tal, wovon die Höhengemeinden wiederum profitieren. Zudem fehlen Arbeitsplätze. Der Anteil der aus dem Tal auspendelnden Erwerbstätigen ist mehr als doppelt so hoch wie die Zahl der Einpendler.

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Schiffe auf dem Mittelrhein bei Kamp-Bornhofen

Die Schifffahrt am Mittelrhein – ein Kurztripp in die Geschichte

DIE SCHIFFFAHRT AM MITTELRHEIN

Auf dem Rhein herrscht Hochbetrieb - heute wie vor mehr als 2000 Jahren. Nur die Gefährte haben sich geändert: von Einbäumen zu römischen Ruder- und Segelbooten, von qualmenden Dampfschiffen zu riesigen Containerschiffen und eleganten Ausflugsbooten. Womit wir beim Thema sind: Zu einem Besuch am Mittelrhein gehört eine Schifffahrt dazu. Zumindest die Klassikerroute ist ein Muss. Und die führt natürlich am berühmtesten Felsen des Rheintals vorbei, der Loreley. Früher einer der gefährlichsten Engstellen des Rheintals, wo so manches Fischerboot in den Fluten versank, heute ein weltbekannter Mythos. Was früher auf dem Rhein los war und wie sich die Schifffahrt verändert hat, das verrät euch unser Blogbeitrag. Viel Spaß beim Lesen Eure Silke

Inhaltsverzeichnis:

  1. Die Lotsen: mit dem Strom schwimmen.
  2. Wahrschau-Stationen: Die Technik schaut voraus.
  3. Die Lachsfänger: vier mal die Woche Fisch
  4. Flöße: schwimmende Holzinseln
  5. Treidler: Plackerei am Ufer
  6. Die Dampfschifffahrt oder: die Toursisten kommen
  7. Die Schifffahrtslinien am Mittelrhein
  8. Schlepp- und Schubschiffe: vom Ziehen zum Schieben
  9. Zahlen und Fakten: Interessantes rund um die Schifffahrt
  10. Die Mittelrhein-Fähren: die Geschichte des Hin und Her
  11. Die Fährlinien am Mittelrhein
  12. Drei Schifffahrts-Highligts am Mittelrhein
  13. Museen rund um die Schifffahrt

Mit dem Strom schwimmen: die Lotsen

Vorbei die Zeiten, als die singende Loreley die Fischer am Fuß ihres Felsens ins Verderben zog. Dabei war sie ganz und gar unschuldig. Riffe, Klippen und Untiefen waren es, die die Schiffer auf Grund laufen ließen – es sei denn, sie hatten einen Lotsen an Bord. Die kundigen Steuermänner kannten den Rhein bis ins letzte Riff und kamen den Schiffern vor allem in Bingen zu Hilfe, wo ein quer durch den Rhein verlaufendes Riff den Weg versperrte und nur ein schmaler Durchbruch, das Binger Loch, eine Fahrrinne bildete, sowie in Kaub und St. Gaor mit der Loreley dazwischen. Hatten die Lotsen die Schiffe heil durch alle Gefahren gesteuert, paddelten sie auf kleinen Lotsenschaluppen, später auf sog. Versetzbooten, wieder zurück in ihren Heimathafen. Was für ein reges Treiben auf dem Rhein sorgte, denn 1958 gab es allein in Kaub über 100 Lotsen. Der Rheinausbau machte diesen Berufsstand jedoch allmählich überflüssig. Seit 1974 gibt es im Mittelrhein keine Gefahrenstelle mehr. 1988 wurde die letzte Lotsenstation in Kaub geschlossen.

Bildercollage mit Kauber Lotsen aus dem Kauber Lotsenmuseum.
Infotafel im kleinen Kauber Lotsenmuseum im ehemaligen Lotsenhaus.

Wahrschau-Stationen: Die Technik schaut voraus

Eine Wahrschau-Station zeigt den Bergfahrern an, ob hinter den engen Windungen Talfahrer entgegenkommen, die stets Vorfahrt vor den Bergfahrern haben. Gewarnt werden die Bergfahrer schon seit Jahrhunderten. Zu­nächst von „vorausschauenden“, reitenden Boten, später durch Flaggen, Körbe und Tafelsignale an bemannten Verkehrsposten. Heute gibt es insgesamt fünf Wahrschau-Stationen im Mittelrheintal. Geschaltet werden sie zentral von der Verkehrszentrale Oberwesel, wo ein Radarsystem für die lückenlose Erfassung des Schiffverkehrs sorgt.

Der Lesetipp

Wie genau funktionieren die Wahrschau-Stationen? Und warum sind sie nur zwischen Oberwesel und St. Goarshausen zu finden. Das erfahren Sie hier:

Die Lachsfänger: vier mal die Woche Fisch

Ebenso wie den Lotsen ergeht es einer weiteren Berufsgruppe: Den Lachsfängern. Bis Ende des 19. Jhs. können sie gut von ihren Fängen leben, denn der Rhein ist zu dieser Zeit der lachsreichste Fluss Europas. Die ertragreichsten Lachsgründe liegen vor allem in den tiefen, schattigen Gewässern nahe der Loreley. Allein 1885 werden rund 220.000 Lachse gefangen. Was Folgen hat für den heimischen Speisezettel. Eine Anekdote berichtet, dass sich Dienstmädchen in ihren Gesindeverträgen schriftlich geben ließen, nicht mehr als viermal die Woche vom rheinischen Edelfisch essen zu müssen. Bald allerdings verschwindet er ganz vom Speiseplan. Dank Überfischung, Flussausbau und Abwässer sterben die Lachse aus. 1937 wird das letzte Lachsfangschiff abgewrackt.

Flöße: schwimmende Holzinseln

Sehenswertes treibt ab Ende des 17. Jhs. auf dem Rhein: Die Flöße. Die schwimmenden Holzinseln, zum Teil größer als heutige Fußballfelder, werden von bis zu 200 Männern mit Hilfe von seitlichen Rudern durch die engen Talwindungen manövriert. Mit an Bord sind häufig bis zu 300 Mitreisende, vor allem fahrendes Volk und Gelegenheitsarbeiter. Sie leben in Hütten mitten auf dem Floß. Ziel der Floßdörfer sind die Niederlande, wo aus dem Holz Deiche, Mühlen und Schiffe gebaut werden. Bald kommen die Holzungetüme jedoch den Dampfschiffen in die Quere und sie schrumpfen zusehends. Die letzten Flöße treiben 1950 auf dem Rhein. Eine Hochburg der Flößerei war Kamp-Born­hofen, wo es um die Jahr­hundert­wende zwei Floßfirmen und einen Floßliegeplatz gab.

Treidler: Plackerei am Ufer

Den härtesten Job am Rhein hat eine Berufsgruppe, die nicht auf dem Rhein, sondern zu Fuß an den Ufern unterwegs ist: Die Treidler. Schon die Römer lassen ihre Schiffe gegen die – teils starke – Strömung und bei Windstille ziehen. Eine Mühsal, die sich im Mittelalter fortsetzt. Von häufig schlechten Uferwegen aus, die zudem nicht selten unter Wasser stehen, ziehen die Treidler die kleinen, kastenförmigen Nachen, die im Mittellater auf dem Rhein unterwegs sind, durch die Strömung. Ab dem 16. Jh. wird die Plackerei für die Treidler allerdings zu groß. Die Schiffe sind zu schwer geworden und Pferde müssen die Arbeit der Treidler übernehmen. Die aber brauchen befestigte Uferwege, woraufhin die teilweise noch heute vorhandenen Leinpfade entstehen. 20 Pferde werden benötigt, um ein mit 50 Tonnen beladenes Transportschiff zu treideln.

Die Dampfschifffahrt oder: die Touristen kommen

Ab 1816 qualmt es mächtig auf dem Rhein: Das erste Dampfschiff tritt seine Reise an und leitet das Ende der traditionellen Segel-, Treidel- und Floßschifffahrt auf dem Rhein ein. Angetrieben werden die Dampfschiffe von seitlichen Schaufelrädern und diese wiederum von Wasserdampf, der mit Kesseln erzeugt wird, in die ein Heizer unablässig Kohle schaufelt.

Mit den Dampfschiffen kommen die Touristen und ab 1827 können Reisende mit dem Dampfschiff Concordia viermal pro Woche in 10 Stunden von Mainz nach Köln fahren. Für damalige Verhältnisse eine atemberaubende Geschwindigkeit. “Oh wie herrlich liegt Schloss Rhein­stein! Wo? Wo? – Hier dicht vor uns! Nein, jetzt ist‘s verschwunden”, heißt es in einem zeitgenössischen Kommentar. 1840 nutzen jährlich 500.000 Passagiere die Möglichkeit, per Schiff auf dem Rhein zu reisen.

Die Schifffahrtslinien am Mittelrhein

schiff goethe mittelrhein 1
Das historische Schaufelradschiff Goethe, auf Fahrt seit 1913, bis 2008 mit einer Dampfmaschine. Der typische Signalton der Dampfpfeifen tönt übrigens noch heute durchs Mittelrheintal. Dafür wurde beim Umbau eigenes ein elektirsch betriebener Dampfkessel eingebaut.

Vom Ziehen zum Schieben: Schlepp- und Schubschiffe

Dampfschiff-bacherach-mittelrhein
schubverband burg ehrenfels ruedesheim bingen

Während die Dampfschiffe schon fleißig Passagiere transportieren, tut sich im Güterverkehr noch nicht allzu viel. Nach wie vor ziehen Pferde auf den Treifelpfaden die Schiffe – bis ins Jahr 1844. Da nimmt der erste Schleppdampfer auf dem Rhein Fahrt auf und damit setzt sich ein neues Transportsystem durch: die Schleppschifffahrt. Die Schlepper ziehen bis zu zwölf antriebslose Lastkähne – im kurvenreichen Mittelrheintal dürfen allerdings nur drei bis vier angehängt werden. Den Treidlern gefällt diese Entwicklung ganz und gar nicht. 1848 beschießen sie in Neuwied einen Radschleppdampfer mit Kanonenkugeln. Den Untergang ihres Berufsstandes können sie trotzdem nicht aufhalten. 

Doch auch die Zeit der Dampfschiffe geht vorbei. Nach rund 100 Jahren ist das Kapitel zu Ende. Ab 1912 fahren die ersten Schiffe mit Dieselmotoren statt mit Dampfmaschinen. Moderne Schiffsschrauben lösen die Schaufelräder ab und selbstfahrende Motorschiffe die langen Schleppverbände. Ab Mitte der 1950er Jahre wird dann nicht mehr geschleppt, sondern geschoben. Die Schub­schifffahrt revolutioniert den Gütertransport geradezu. Ein Schubboot schiebt mehrere unbemannte Transportkähne, sog. Leichter, vor oder neben sich her. Bis zu 190 m lange Schubverbände fahren heute auf dem Rhein, die bis zu 11.000 t Ladung aufnehmen können.

Der Lesetipp

Die Geschichte der Dampfschifffahrt am Rhein - das ist eine Geschichte voller Niederlagen und später Erfolge. Denn Dampfschiffe fuhren längst auf Flüssen in Amerika und England, bevor sie sich auch in Deutschland durchsetzten.

Interessante Zahlen und Fakten rund um die Schifffahrt

historischer Kran am Rheinufer bei St. Goarshausen

Der Hafenkran von St. Goarshausen, 1917 errichtet und 1999 stillgelegt. Mit seiner Hilfe wurden Steine, Koks und Getreide auf die Nassauische Kleinbahn und später auf LKWs umgeladen. 

Wahrschau-Station bei St. Goar vom Rheinufer aus gesehen

Wahrschau-Station bei St. Goar. Die beiden nach rechts geneigten Balken signalisieren dem Bergfahrer: In der Teilstrecke fahren mindestens zwei Einzelfahrer zu Tal. 

Containerschiff auf dem Rhein vor dem Hintergrund der Loreley.

Rund 60 Millionen Tonnen Güter werden jedes Jahr per Schiff über den Mittelrhein transportiert - auf ca. 137 Schiffen täglich. Hinzu kommen 19 Fahrgastschiffe und 6 Fähren.

Der Rhein gehört zu den am stärksten befahrenen Schifffahrtsstraßen der Welt und seit der Römerzeit zum wichtigsten Trans­portweg Europas. Um 1800 waren jährlich rund 1300 Schiffe auf dem Rhein unterwegs, also 3 bis 4 am Tag. Heute passieren im Jahr rund 50.000 Güterschiffe die Strecke zwischen Rüdesheim/Bingen und Koblenz, also ca. 137 Schiffe pro Tag. Dazu verkehren regelmäßig 19 Ausflugsschiffe von 6 Schifffahrtslinien sowie 6 Fähren. Heute können Binnenschiffe mit bis zu 3000 t den Rhein befahren. Das entspricht pro Schiff mehr als 100 LKWs oder 75 Bahnwaggons.

Um 1800 brauchte ein mit 100 t beladenes Schiff von Köln nach Mainz zwischen einer Woche und zweieinhalb Wochen. Heute schafft es ein mit 3000 t beladenes Frachtschiff dank 1500 PS starker Motoren in nur ca. 19 Stunden. Das Wasser des Rheins benötigt übrigens vom Bodensee (Rheinkilometer 0,0 in Konstanz) bis zur Nordsee (Rheinkilometer 1032,85) rund 10 Tage.

Hin und Her: die Geschichte der Mittelrhein-Fähren

historische faehre
faehre bei boppard
rheinfaehre st goarshausen st goar

Die Geschichte der Rheinfähren reicht vom frühen Mittelalter bis heute und umfasst die Entwicklung von einfachen Nachen über „Fliegende Brücken“ zu modernen Motor- und Autodampfern.

Ein Meilenstein war die erste  „Fliegende Brücke“ im 17. Jahrhundert in Mannheim, die die traditionellen Nachen ablösten. Bei ihnen hing es allein von der Geschicklichkeit des Fährmanns ab, der ruderte oder stakte, ob er an der gewünschten Stelle anlegte oder nicht abtrieb. Die Fähre hing entweder an einem Seil, das entweder quer über den Rhein gespannt wurde oder mittig im Flussgrund verankert war, und flog regelrecht hin und her. Indem man schräg gegen die Strömung fuhr, gelangte man ans andere Ufer. Problematisch wurde es im 19. Jahrhundert, als immer mehr Schiffe den Rhein befuhren, die grundsätzlich Vorfahrt haben. Die letzte Fliegende Brücke wurde erst 1955 in Boppard abgebaut bzw. mit einem Motor ausgestattet.  Das 1892 gebaute Fährschiff fährt übrigens bis heute und ist die älteste Fähre am Mittelrhein.

Ab 1850 pendelten die ersten Fährschiffe mit Dampfmaschine und Schraubenantrieb auf dem Rhein. Seit 1868 zwischen St. Goar und St. Goarshausen. Während oben der Schornstein qualmte, schwitzte unten der Heizer, der die Kohlen den Kessel schaufelte. Ab 1890 folgten die ersten Personenfähren mit Verbrennungsmotor. 

Während immer mehr Brücken die meisten Fähren am Rhein überflüssig gemacht haben, sind sie am Mittelrhein erhalten geblieben. Da es (leider) auf fast 100 km keine Brücke zwischen Mainz und Koblenz gibt, sind sie am Mittelrhein noch immer im Einsatz und wechseln heute meist im 20-Minuten-Takt die Rheinseiten.

Die Fähren am Mittelrhein

Drei Schifffahrts-Highlights am Mittelrhein:

rhein in flammen schiffsconvoi mittelrhein

Schiffskonvoi

An fünf Terminen zwischen Mai und September leuchten Burgen, Rhein und Orte im Licht der Feuerwerke, begleitet von Schiffskonvois. Unbedingt rechtzeitig reservieren.
rote Boote im Vordergrund von Mittelrhein-Rafting, im Hintergrund St. Goarshausen

Mittelrhein-Rafting

Ein einzigartiges Erlebnis: eine geführte Rafting-Tour auf dem Rhein, die ganze neue Perspektiven auf die Kraft des mächtigen Stromes eröffnet.
loreley ausflugsboot mittelrheinjpg

Loreley-Rundtour

Mit der Köln-Düsseldorfer geht es von Boppard bis zur Loreley und wieder retour - natürlich mit musikalischer Begleitung am weltberühmten Felsen.

Museen rund um die Schifffahrt

Wer mehr über die Schifffahrt auf dem Rhein und das Leben der Fischer und Lotsen erfahren möchte, wir in folgenden Museen fündig:

Museum für Kulturgeschichte und Schifffahrt
Charlottenstraße 53a
56077 Koblenz
0261/703450
info@rhein-museum.de

Öffnungszeiten:
täglich von 10 bis 17 Uhr (montags geschlossen)
Samstags und sonntags: von 12.30 bis 16 Uhr

Rhein-Museum Koblenz

Rheinuferstraße 34 (gegenüber Schiffermast)
Tel.: 06773/1358 (Herr Leyendecker) oder 9404 (Herr Heimes)

Öffnungszeiten: 
Nur nach Vereinbarung

Flößermuseum Kamp-Bornhofen

Geschichte der Flößerei in Kamp-Bornhofen und 9-Stationenweg.

Hafenstraße 2 / Hindenburganlage
55411 Bingen am Rhein
Tel.: 06726/8555

Öffnungszeiten:
von Anfang April bis Anfang Oktober jeden Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 13 bis 17 Uhr

Lotsenmuseum Bingen

Rathausstraße 23
55430 Oberwesel
Tel.: 06744 714726

Öffnungszeiten:
April bis Oktober: Di-Fr 10 – 17 Uhr, Sa, So und Feiertage 14 17 Uhr
November bis März: Di-Fr 10 Uhr, Sa, So und Feiertage geschlossen
Montags geschlossen

Stadtmusum Oberwesel

Neutorstraße 2b
55116 Mainz
Tel.: 06131/88850

Öffnungszeiten: 
ab Mai 2026 wieder geöffnet

Museum für anitike Schifffahrt

Historische Ortsansicht von Schloss Stolzenfels. Farblithographie von 1873

Burgen und Ruinen am Mittelrhein – ein Kurztripp in die Geschichte

DIE BURGEN AM MITTELRHEIN

Es ist immer wieder fasziniernd, durchs Rheintal zu fahren. Nahezu hinter jeder Flussbiegung taucht eine Burg auf. Kein Fluss auf der Welt hat auf 65 km Länge mehr von ihnen zu bieten als der Mittelrhein. Rund 40 Burgen, Schlösser und Ruinen thronen an den Hängen zwischen Bingen und Koblenz. Doch warum stehen sie überhaupt dort? Wer hat sie gebaut? Wer zerstört? Und wie hat das Burgvolk gelebt? Unser Blogbeitrag greift tief in Historienkiste und verrät euch eine Menge Wissenswertes und Kurioses rund um die Burgen am Mittelrhein. Viel Spaß beim Lesen Eure Silke

Inhaltsverzeichnis:

  1. Die Burgen ziehen um: vom Tal auf die Höhen
  2. Lukrative Zollstellen: 66 Prozent auf den Warenwert
  3. Immer wieder zerstört – und wieder aufgebaut
  4. Flucht in den Turm
  5. Wohnen auf der sicheren (Hang-)Seite
  6. Mittelalter und Burgenleben live erleben
  7. Je näher am Kamin, umso wichtiger
  8. Erlebnisbericht aus dem Jahr 1518
  9. Tischmanieren oder: Die fettige Hand am Busenlatz
  10. Romantik: Auferstanden aus Ruinen
  11. Drei Burgen-Highlights am Mittelrhein

Vom Tal auf die Höhen: Die Burgen ziehen um

Stehen die ersten Burgen noch im Tal, zieht es die Burgherren im 11. und 12. Jahrhundert auf die unbesiedelten Höhen. Dort oben hat man nicht nur anrückende Feinde gut im Visier, sondern auch je nach Lage von drei Seiten einen natürlichen Schutz. Zudem zeigt man, wer der Herr im Land ist, den Untertanen ebenso wie aufdringlichen Nachbarn. Ein wahrer Bauboom setzt in der Stauferzeit ab 1138 ein. Möglich machen es ausgerechnet die Könige, die am wenigsten von der Bauwut ihrer Untertanen profitieren. Große Teile ihres Besitzes haben sie im Laufe der Jahrhunderte verschenkt, verliehen oder verpfändet, um aufmüpfige Adlige zur Treue zu verpflichten. Die Folge: Die Macht der Fürsten wächst, und eifrig beginnen sie, ihre Territorien mit Burgen abzusichern und Zölle einzutreiben.

burg maus wellmich oberes mittelrheintal 1

Die Höhe des Zolls: 66 % des Warenwertes

Heute reist es sich leichter. Wer Mitte des 13. Jhs. als Kaufmann am Rhein entlang unterwegs ist, braucht Geld, gute Nerven und nicht selten Mut. Allein am Mittelrhein zwischen Mainz und Bonn bitten Mitte des 13. Jhs. sage und schreibe 32 Zollstationen zur Kasse. Hat der Händler Pech, muss er nicht nur zahlen, sondern wird zudem ausgeplündert, misshandelt und schlimmstenfalls sogar eingesperrt. Für seine Freilassung ist natürlich ein saftiges Lösegeld zu zahlen. So ist es längst alles andere als wirtschaftlich, über den Rhein seine Waren zu transportieren. Denn jeder Adlige, darunter auch manch Geistlicher, der sich mit einer Burg das lukrative Zollgeschäft sichern kann, langt zu.

Sieben Zollstellen gibt es am Mittelrhein auf einer Strecke von 60 km. Wieviel Zoll erhoben wird, ist oftmals nicht von Recht und Gesetz abhängig, sondern vom Lebensstandard der Burgbewohner oder der Stärke der Burgmannschaft. Je größer die ist, umso höher die Zölle. Hat der Händler alle Zollstationen am Mittelrhein hinter sich gebracht, beträgt die Höhe des bezahlten Zolls stattliche 66 % des Warenwertes. Doch es wartet noch mehr Ungemach auf ihn. Handelt er mit Wein, muss er ihn in Bacharach abladen und einige Tage auf dem örtlichen Markt anbieten bzw. stapeln, denn die Stadt besitzt das sogenannte Stapelrecht. Danach wird der Wein als Bacharacher Wein verschifft, ganz gleich aus welchem Weinanbaugebiet er stammt.

Zerstört, wieder aufgebaut ...

Zwischen 1256 und 1258 reicht es den Städten, die mitt­ler­weile zu bedeutenden Handelszentren angewachsen sind. Sie gründen den Rheinischen Städtebund und greifen zu drastischen Maßnahmen. Mit angeworbenen Söldnern ziehen sie durchs Rheintal und tatsächlich gelingt es ihnen, einige Burgen zu zerstören, darunter Reichenstein. Mit wenig dauerhaftem Erfolg allerdings, denn der als Raubritter bekannte Burgherr lässt sie umso wehrhafter wieder aufbauen. König Rudolf von Habsburg startet 1274 einen weiteren Versuch. Nach seinem Regierungsantritt zerstört er Reichenstein erneut und die ebenfalls als Raubritternest bekannte Burg Sooneck. Einzig die Rheinfels bei St. Goar hält seiner Belagerung stand.

Flucht in den Turm

Ist der Belagerungszustand tatsächlich eingetreten, ist das wichtigste Gebäude der Bergfried. Denn schlagen alle Ver­tei­­digungsversuche fehl, flüchtet sich das Burgvolk in den hoffentlich uneinnehmbaren Turm. Sind alle drin, wird die außenliegende Holztreppe zerstört, so dass der Eingang für die Eindringlinge in unerreichbarer Höhe liegt. Kluger­weise hat man in Friedenszeiten das Wichtigste im Bergfried untergebracht: Vorräte, Munition, Schätze und im Keller die Gefangenen, die sehnsüchtig auf die Zahlung des geforderten Lösegeldes warten. Kontakt zu den Burgbewohnern haben sie einzig über das „Angstloch“, einer Öffnung in der Decke des Verlieses.

Auf der sicheren Hangseite

Herrscht indes Frieden, wohnt man im Palas, dem repräsentativen Wohnbereich der Burg. Der Palas liegt dort, wo es am sichersten ist: An der Hangseite. Er besitzt einen großen Saal und ist den Männern vorbehalten. Die Frauen halten sich in der Kemenate auf, die aus kleineren, heizbaren Wohnräumen besteht. Zum Wohnbereich der Burg gehört außerdem eine Kapelle. Das Gesinde wohnt in Fachwerkhäusern, die ebenso wie die Ställe und die Werkstätten an die Ringmauer des Burghofes angelehnt sind.

Blick von unten auf den Bergfried von Burg Sterrenberg bei Kamp-Bornhofen

Auch in Kriegszeiten kaum einnehmbar: Der Bergfried. Hier das Beispiel von Burg Sterrenberg oberhalb von Kamp-Born­hofen.

Turm der Burg Rheinstein bei Trechtingshausen mit dem Strafkorb

Wer auf Burg Rheinstein in Gefangenschaft geriet, hatte wenigstens einen guten Ausblick: „Hängen in der Strafkrone“ hieß der Aufenthalt in dem aus Eisen gefertigten Korb.

Ludwig von Ottenstein und seine Frau Elisabeth von Schwarzenberg auf ihrem um 1520 geschaffenen Grabdenkmal, zu sehen in der Liebfrauenkirche Oberwesel.

Zwei Burgbewohner des ausgehenden Mittelalters auf ihrem um 1520 geschaffenen Grabdenkmal, zu sehen in der Liebfrauenkirche Oberwesel.

Burgenleben und Mittelalter live

Wer das Leben auf einer Burg und Mittelalterliches hautnah erleben möchte oder sich weiter informieren will - hier einige Tipps:

Alle 2 Jahre schreibt man in Oberwesel das Jahr 1260. Das nächste Mittelalterfest findet 2026 statt.

Mehr Infos zum Spectaculum

In den Wintermonaten geht es außerhalb der Öffnungszeiten im Schein der Taschenlampe durch die dunkle, unbeleuchtete Burg.

Zu den Terminen der Lichterführung

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Je näher am Kamin, desto höher in der Hierarchie

So eindrucksvoll die Burgen nach außen wirken, so bescheiden ist der Wohnkomfort im Inneren. Besonders im Winter. Um die Kälte abzuhalten, werden die Fenster mit Läden verschlossen oder mit geölter Leinwand bespannt, denn Fensterglas setzt sich erst Ende des 14. Jhs. durch. Entsprechend dunkel ist es in den Räumen. Öllämpchen oder Fackeln, die Wände und Decken schwärzen, verbreiten ein funzeliges Licht. Geheizt wird mit Kaminen, die jedoch nur in direkter Nähe angenehme Wärme spenden. Den begehrtesten Kaminplatz hat natürlich der Burgherr inne, wer am unteren Ende der Hierarchie steht, sitzt am weitesten entfernt. So lässt sich der Rang der Burgbewohner an der Dicke der Kleidung ablesen.

Auch die Nächte haben ihre Eigenheiten. Schlafzimmer entstehen erst im 13. Jh. Dafür sind die Betten kleine Räume für sich. Von oben schützt ein Himmel den Schlafenden, damit das Ungeziefer des Nachts nicht auf ihn rieselt. Rundum verhüllen schwere Vorhänge das Bett, die die Kälte abhalten sollen, zumal Nachtgewänder noch unbekannt sind. Ebenso wie Schränke. Die Kleidung wird in „mobilen“ Truhen verstaut, die bei den Rundreisen des Burgherrn auf Karren hinter ihm her rumpeln.

Erlebnisbericht aus dem Jahr 1518:

Reichsritter Ulrich von Hutten über das nicht sehr komfortable Leben in einer Burg:

„Man lebt auf dem Feld, im Wald und in den bekannten Burgen auf dem Berg. Die uns ernähren, sind bettelarme Bauern, denen wir unsere Äcker, Weinberge, Wiesen und Wälder verpachten. Der einkommende Ertrag ist, gemessen an der aufgewandten Mühe, geringfügig; […]

Die Burg selbst, ob sie auf dem Berg oder in der Ebene liegt, ist nicht als angenehmer Aufenthalt, sondern als Festung gebaut. Sie ist von Mauern und Gräben umgeben, innen ist sie eng und durch Stallungen für Vieh und Pferde zusammengedrängt. Daneben liegen dunkle Kammern, vollgepfropft mit Geschützen, Pech, Schwefel und sonstigem Zubehör für Waffen und Kriegsgerät. Überall stinkt es nach Schießpulver; und dann die Hunde und ihr Dreck, auch das – ich muss es schon sagen – ein lieblicher Duft!

Reiter kommen und gehen, darunter Räuber, Diebe und Wegelagerer. Denn fast für alle stehen unsere Häuser offen, weil wir nicht wissen, was das für Leute sind, oder uns nicht groß danach erkundigen. Man hört das Blöken der Schafe, das Brüllen der Rinder, das Bellen der Hunde, das Rufen der auf dem Feld Arbeitenden, das Knarren und Rattern der Fuhrwerke und Karren; ja sogar das Heulen der Wölfe hört man in unserem Haus, weil es nahe am Wald liegt. Der ganze Tag bringt vom Morgen an Sorge und Plage, ständige Unruhe und dauernden Betrieb.“

Tischmarnieren oder die fettige Hand im Busenlatz

Gegessen wird dreimal am Tag. Am Morgen meist Brot und Fleisch, mittags genügt ein kleiner Imbiss, während das Abendessen fast einem Gelage gleicht – und für heutige Gaumen sehr gewöhnungsbedürftig gewesen wäre. Die mittelalterliche Küche kennt zahlreiche Gewürze, seit den Kreuzzügen auch orien­­talische, mit denen nicht nur das Essen, sondern auch der Wein gewürzt wird, den man zu jeder Mahlzeit reicht. Das Abendessen umfasst zwei bis drei Gänge, wobei jeder Gang aus mehr als zehn Gerichten bestehen kann, von süß über scharf bis sauer.

Gegessen wird mit den Fingern, der Erfinder der Gabel ist noch nicht geboren. Mann und Frau essen zu zweit aus einer Schüssel und trinken gemeinsam aus einem Becher. Das Tischtuch dient dazu, sich nach dem Essen Mund und Hände abzuwischen, hineinschnäuzen soll man allerdings nicht. Unfein ist es außerdem, die bloße Hand ins Salzfaß zu stecken oder die fettige in den Busenlatz der Nachbarin. Auch auf den Teller spuckt man nicht. Seine Flöhe knackt man unauffällig und das Kratzen am Gemächt sollte man bei Tisch ganz unterlassen, wie der Minnesänger Tannhäuser ungehobelte Zeitgenossen belehrt.

ruine stolzenfels mittelrhein
schloss stolzenfels mittelrheintal

Auferstanden aus Ruinen

Als man endlich eine gewisse Tischkultur gelernt hat, ist die Burgenzeit vorbei. Neue Waffen und neue Kriegstaktiken machen die Burgen strategisch über­­flüssig. Manche werden verlassen und verfallen, andere von den Truppen Ludwigs XIV. zerstört, die 1672 und 1689 durchs Rheintal ziehen. Als repräsentative Wohnsitze sind jetzt ohnehin Schlösser gefragt, die weit mehr Wohnkom­fort bieten als die auf Verteidigungszwecke ausgerichteten Burgen. So überdauern die Höhenburgen mit Ausnahme der Marksburg die Jahrhunderte nur als Ruinen – bis sie Anfang des 19. Jhs. von den Romantikern entdeckt werden. Zahlreiche Ruinen finden neue Burgherren, darunter die Burgen Katz und Maus, die einstigen Raubritternester Reichenstein und Rheinstein sowie Schloss Stolzenfels bei Koblenz (s. Bild).

Drei Burgen-Highlights am Mittelrhein:

Blick auf Schloss Stolzenfels bei Koblenz

Schloss Stolzenfels

Die Sommerresidenz von Friedrich Wilhelm IV. von Preußen mit original erhaltener Ausstattung und einem Schlosspark des berühmten Gartenkünstlers Peter Joseph Lenné.
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Marksburg in Braubach

Aus dem 12. Jahrhundert stammende Höhenburg, die nie zerstört wurde. Mit sehenswerten Innenräumen wie Burgküche und Rittersaal ...
pfalzgrafenstein kaub

Pfalzgrafenstein in Kaub

Auf einer Felseninsel bei Kaub errichtete Zollburg, die wie ein Schiff aus Stein mitten im Rhein thront. Zu erreichen ist sie nur mit einer Personenfähre.
Lust auf Burgen-Sightseeing? Der schönste Startpunkt ist die Dorfvilla "Rhein-Lahn-Glück!